Auf Galileis Spuren #01: Ich über mich und wie alles begann

Auf Galileis Spuren #01: Ich über mich und wie alles begann” ist die erste Folge über mein Erlebnis mit einem sogenannten “Kaufhausteleskop” und gleichzeitig auch mein Einstieg in die Amateurastronomie.

Es ist schon seltsam das ich die Astronomie mit nur ein paar wenigen Namen verbinde. Einer von ihnen wäre Galilei Galileo, der Mann der das Fernrohr zwar nicht erfunden, aber dafür in das öffentliche Rampenlicht gebracht hat. Dann wäre da vielleicht noch Kopernikus, der die Sonne an seinen richtigen Platz verschob und natürlich Hubble, der dank seiner ausgedehnten Beobachtung heute noch in knapp 600 Kilometer Höhe als Weltraumteleskop umherreist. Das war es dann eigentlich schon.

So wichtig diese Personen für die Astronomie auch waren, die nun folgenden Burschen waren für meine persönliche “kosmische” Entwicklung weitaus relevanter. Sie heißen Roddenberry, Scott und Lucas (Reihenfolge dürfte Stimmen). Ich bin halt ein Kind der 80er und als solcher quasi medial erschlagen worden mit den Nachwehen eines Millennium Falcons, der Eleganz einer 1701 und der Beklemmung einer Nostromos.

Darüber hinaus? Also ich kannte schon in meiner Kindheit den Satz, Mein Vater Erklärt Mir Jeden Samstag Unseren Nachthimmel, vielmehr war da aber nicht. Dennoch, ich liebte das Spaceshuttle und den Weltraum und wie viele Zehnjährige bekam ich auch nach langem flehen ein eigenes Teleskop. Wobei, Teleskop darf man da nicht sagen. Das zylindrische Ding mit seiner wackeligen Haltevorrichtung wäre höchstens als Kaleidoskop durchgegangen. Für die Kenner unter euch, es war nicht so hochwertiges Tchibo oder Quelle Teil für hundert Mark, sondern so ein paar Mark-fünfzig billig Ramschdingens vom Jahrmarkt. Das beste an dem ganzen Ding war die Verpackung! Man war ich enttäuscht, als ich als kleiner Dreikäsehoch damit spätabends in die finstere Nacht starrte. Es gab nichts zu sehen, selbst der Mond war bestenfalls eine graue matschige Scheibe und viel hässlicher als mit dem bloßen Auge. Da half auch das drehen am Fokussierrad nichts. Das Ding war so schlecht, dass ich seit diesen Abend nie mehr durchgeschaut habe und es bei der nächstbesten Möglichkeit gegen eine Starcom-Figur getauscht habe.

Trotz des tiefsitzenden Traumas meiner Kindheit, hat mich mit zunehmender Geschlechtsreife das All und unser Sonnensystem nicht mehr losgelassen. So langsam verdrängten die Dokumentationen mein abendliches Soap Fernsehprogramm. Zwar war der Informationsgehalt mancher pseudowissenschaftlichen Dokumentationen so wertvoll wie Fußpilz, ich sag nur “Was passiert wenn ein Neutronenstern auf die Erde zu rast”, aber im großen und ganzen war auch viel gutes Material dabei. Zu erwähnen sei da “Wunder des Universums” oder “Die Planeten“. Bei letzterem ganz besonders das dritte Kapitel “Kosmische Giganten“, da ging es um die Voyager Missionen. Es gab glaub ich seither keine andere weltraumbezogene Dokumentarsendung, die mich nachhaltig dermaßen beeindruckt hat.

Obwohl sich bei mir bis heute die Faszination des Universums erhalten hat, ein eigenes Teleskop habe ich mir nie gekauft. Selbst der wirklich gute und seit Jahren von mir gehörte Podcast “Sternengeschichten” von Florian Freistetter, konnte daran nichts ändern. Klar kreisten sich hin und wieder meine Gedanken um die Anschaffung eines eigenen Teleskops. Vor allem dann, wenn sich für mich besondere Momente ergaben. Wie so mancher Blick aus unserem Garten in die sternenklare Nacht. Es ist manchmal dermaßen finster bei uns, das man gefühlt vier bis fünftausend Sterne und einen leichten Dunst der Milchstraße erahnen kann. Selbst meine Frau, die Sterne eigentlich nur von Hotelketten her kennt, muss da manchmal andächtig innehalten und hinaufstarren. Genau in solchen Momenten habe ich mir schon öfter über einen Kauf Gedanken gemacht, aber nie durchgezogen, ich Feigling.

Eine weiter Begebenheit, welche anscheinend nur für mich prägend war, ergab sich im ägytischen Hurghada beim abendlichen Buffetkampf. Trotz massiver Umgebungsbeleuchtung, war der Jupiter als beinahe einzige Erscheinungen deutlich als Scheibe am Himmel zu erkennen. Zumindest bilde ich mir das mit der Scheibeform bis heute ein.

Jupiter mit dem Smartphone aufgenommen: Hurghada 2018

Ich kann mich noch ganz deutlich am verdatterten Blick meiner Frau erinnern, als sie mich nach meiner etwas lauteren und mit dem Zeigerfinger gegen Himmel gerichteten “Hey der Jupiter” Aussage anstarrte. Es wurde nicht besser, als ich sofort mein Smartphone zuckte und mit einer Sternenapp das gesehene auch verifiziert habe. Und Yep, es war definitiv Jupiter und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Sah aus wie ein klitzekleiner leuchtender Mond.

Der erste Kontakt mit der Amateurastronomie

Der erste Kontakt mit der echten Astronomie war dann vor einigen Jahren, da nämlich hat mich die Mutter eines Cousins darum gebeten nach einem günstiges Teleskop zu recherchieren. “Nicht für mich”, sagte sie, “sondern für meinen Buben”. Der Bub war Dreißig und hatte mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie ich. Er liebte das Weltall und seine Geschichten, er liebte die Astronomie und seine Sternbilder, aber konnte sich nicht überreden Geld für ein Teleskop auszugeben. Diesen Umstand wollte seine Mutter endlich beenden und bat mich darum ein Teleskop für sie auszusuchen.

Das Teleskop selber sollte nicht mehr als 500€ kosten und so kam es wie es zwangsläufig immer kommt wenn man nach einem günstigen “Einsteiger Teleskop” sucht. Insider wissen sicherlich auf welches Teleskop ich hinaus möchte. Richtig, ein Newton Dobson Teleskop wie diesem hier (Amazon).

Bild: Amazon

Wenn man innerhalb ein paar bestimmten Parameter nach einem Teleskop sucht, wie günstig, Anfänger tauglich und Phallussymbol trächtig, führt kein Weg an diesem beachtlichen Fernrohr vorbei. Zu diesem Zeitpunkt war mir aber noch nicht klar, in wie weit mir diese Aktion später noch Bauchschmerzen verursachen wird. Dazu aber an einer anderen Stelle mehr.

Nur zwei Flaschen Bier

Machen wir einen kleinen Zeitsprung und hoppeln etwa drei Jahre in die Zukunft. Wir schreiben das Jahr 2020 und noch immer interessiert mich die Astronomie und noch immer besitze ich kein Teleskop. Mein Garten und meine Aquarien verlangen einfach zu viel Freizeit von mir und das wenige was noch über bleibt ist reserviert für Familie und Sport. Definitiv ist da kein Platz mehr für ein weiteres Hobby, bis eines Tages ein Bekannter sein uraltes Bresser Teleskop loswerden und als Gegenleistung nur zwei Gerstenkaltgetränke wollte. Klar das ich da nicht nein sagen konnte, wohlwissend das mir dieser Schritt noch viel Zeit und Geld kosten könnte.

Ein Gedanke zu „Auf Galileis Spuren #01: Ich über mich und wie alles begann“

  1. Pingback: - Planetengucker

Schreibe einen Kommentar